Der Zahn der Zeit

Irgendwann die letzten zwei Jahre hat es angefangen. Im Sommerurlaub 2018 habe ich es zum ersten Mal gemerkt: Man sieht sie jetzt – die Zeichen der Zeit. Seltsam verwittert sehe ich oft aus. Um die Augen rum und besonders am Hals und am Dekolletee.

Ich weiß, das sind nur Äußerlichkeiten, aber ich muss mich irgendwie erst daran gewöhnen.

Vor allem tut es mir leid, dass ich ausgerechnet jetzt, wo ich die Liebe meines Lebens getroffen habe (ein zudem wirklich gutaussehender Mann), nicht mehr so frisch wie früher aussehe, sondern oft wie eine leicht verwelkte Anna Magnani.

Ich denke sehr viel nach zur Zeit…

… über das, was war, was ist und was wohl wird in meinem Leben.

Ich habe mir das nicht bewusst ausgesucht, dass die letzten Jahre so bewegt waren. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass meine ursprünglichen Kräfte seit der Trennung von meinem Exmann wieder voll da sind.

Und dadurch, dass ich jetzt niemand mehr bin, der sich nur totstellt und erduldet, geraten natürlich auch andere Bereiche meines Lebens in Bewegung. Trete ich mehr in Erscheinung, positioniere ich mich, ecke an. Habe Energie, für meine Werte einzutreten.

Auch wird mir langsam klar, dass ich manche Bereiche in meinem Leben – zum Beispiel meinen Job oder Freundschaften – verklärt hatte, weil ich einen Kontrapunkt, eine Fluchtmöglchkeit brauchte, um mich von meiner Ehe zu erholen.

Jetzt sehe ich vieles viel differenzierter und klarer. Was manchmal etwas wehtut. Dafür bin ich aber auch unabhängiger und freier. Und klarer und mutiger.

Man gewöhnt sich an alles…

Ich erschrecke mich manchmal, wie schnell ich, die Medien, „die Leute“ sich schon an den Ausnahmezustand gewöhnt haben.

Ich weiß, dass unsere Spezies so adaptiv konstruiert ist, hat ihr das Überleben gesichert. Aber ich kann als Politologin und Historikerin nicht ignorieren, dass genau das auch die Funktionsweise von Dikaturen und autoritären Staaten sichert.

Auf der Welle der Veränderung🌊

… surfe ich seit ein paar Jahren. Manchmal werde ich dabei von einer Welle unter Wasser gezogen, manchmal kann ich mich gerade so auf dem Brett halten und manchmal bin ich im Flow und stehe mit ausgebreiteten Armen auf dem Brett.

Auf jeden Fall bewegt sich seit fünf Jahren ganz viel in meinem Leben und zwar in allen Bereichen. Mir gefällt das.

Das Spirituelle und ich ☯️

Ich hatte schon immer einen Hang zum Spirituellen: Astrologie, alte Mythen und Märchen, das hat mich – vermittelt durch meine Mutter – seit frühester Kindheit angezogen. Genauso wie die Psychologie von C. G. Jung, durch dessen Werk ich mich in meinem Studium (obwohl nicht mein eigentlicher Fachbereich) begeistert gewühlt habe. Seine Idee der Archetypen und des kollektiven Unbewussten sowie von Animus, dem männlichen Anteil der Seele, sowie von Anima, dem weiblichen Teil, haben mich fasziniert und prägen mich bis heute.

Von ihm habe ich gelernt, dass die westliche christliche Kultur das weibliche Prinzip dämonisiert, verdrängt, abspaltet, woraus sich viele persönliche und gesellschaftliche Fehlentwicklungen erklären lassen. Die Verteufelung der Sinnlichkeit, der Natur und des Mythischen und die Überbetonung von Geist, Technik und Verstand finden wir in vielen Bereichen, wobei seit den 70ern eine starke Gegenströmung erkennbar ist: Die Hippies, die Grünen, die Hinwendung zu Naturheilverfahren und Yoga sowie zur östlichen Philosophie und Religion lassen sich so erklären.

Alle Naturvölker kennen von jeher starke Muttergottheiten, die das Nährende, Gebärende, Erdhafte verkörpern. Im Christentum dagegen hat das Weibliche nur als Heilige und Hure, als Maria und Eva Platz. Die Frau ist verführbar durch den Teufel und der Mann durch die Frau. Damit wird alles Körperliche negativ aufgeladen und jede Ganzheitlichkeit unmöglich, was auch die Damönisierung von Naturheilerinnen als Hexen erklärt. Es ist ein trauriger Witz der Geschichte, dass die Heilerinnen mit ihren Pflanzenkenntnissen, die wir teilweise heute noch nutzen, gerade weil sie im Gegensatz zur im besten Fall nutzlosen, im schlimmsten Fall tödlichen, Standardmedizin früherer Zeiten (Stichwort: Aderlass) so erfolgreich waren, als Hexen, die mit dem Teufel im Bunde stehen, galten.

Am besten gefällt mir aber das asiatische Prinzip des Yin und Yang. Die Welt und der Mensch braucht eben beides: das weibliche und das männliche Prinzip. Darauf beruht auch die chinesische Ernährungslehre, der ich mich seit nunmehr 16 Jahren zugewandt habe und deren Wirksamkeit mich immer wieder überzeugt.

Seit meiner Kur vor vier Jahren habe ich auch mein Krafttier gefunden, ein Konzept, dass mich schon bei der Kinderserie „Yakari“ begeistert hat: ein Totem als tierischen Ratgeber, das wollte ich auch haben.

Und jetzt endlich, traue ich mich, inspiriert von Gerda, an die Tarotkarten, die mich auch schon lange faszinieren. Ich habe gerade das Spiel ausgepackt und lese mich jetzt ein.

Und jetzt? 🔮 – Reflexion an Tag 1/Woche 4 des Ausnahmezustands

Heute beim Einkaufen gab es in keinem der drei Supermärkte, wo ich war, Toilettenpapier. Wurde heute nix geliefert. Habe nur noch vier Rollen und kriege meine Menses und Ostern steht vor der Tür (weshalb sich die Lage eher zuspitzen wird).

Wenn jeder nur eine Packung kaufen darf, wie kann das dann passieren? Kaufen manche jeden Tag eine Packung? Hätte ich auch hamstern sollen? Soll ich illegal jetzt doch Küchenrolle nehmen, obwohl die sich nicht auflöst? Oder nach dem Toilettengang duschen?

Will ich mich über sowas überhaupt aufregen müssen?

Finde die Lage manchmal echt beschissen.

Ich bin dafür, Mitte April Schulen und Kitas schrittweise zu öffnen und den Menschen wieder mehr Freiheit zu geben. Geschlossene Läden, Firmen, Restaurants und Kirchen, Kontaktverbot, Menschen im Pflegeheim sterben ohne Abschied von ihren Kindern, zerrüttete Familien hocken aufeinander. Das alles macht etwas mit uns.

Ich bin dafür, dass wir eine Maskenpflicht kriegen (notfalls selbst basteln) und den Betrieb nach dem 19. April langsam wieder hochfahren. Die Bürgerrechte noch länger einzuschränken halte ich für problematisch in Bezug auf Verfassungsrechtlichkeit, aber auch wegen der wirtschaftlichen und psychosozialen Folgeschäden.

Eine völlig andere Zusammensetzung 🔴🔵⚪⚫

… als die letzten Jahre wird es im November bei meiner Geburtstagsparty geben.

Seit den Vorfällen im Februar hat sich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis die Spreu vom Weizen getrennt und ich freue mich wirklich sehr, ein paar alte Bekannte jetzt in neuem Licht zu sehen. Da haben sich ein paar Beziehungen sehr intensiviert.

Dafür habe ich andere Menschen losgelassen. Manche hoffentlich nur auf Zeit, andere hoffentlich für immer.

Tapetenwechsel 📝🛋🥣☕🛏

Ich bin zur Zeit sehr froh, dass ich so eine große Wohnung habe. So kann ich auch in der Drinnen-Zeit immer mal einen Tapetenwechsel vornehmen.

Arbeit oder Bürokram am Schreibtisch im Arbeitszimmer, im Wohnzimmer Lesen oder Netflixen auf der Couch oder auch Stretching und Dancing, in der Wohnküche Kochen und Essen, im Wintergarten Käffchentrinken und Blogschreiben, zum Mittagsschläfchen ins Schlafzimmer …

Und zwischendrin natürlich immer Lüften oder gleich mal raus in die frische Frühlingsluft.