Meine Prioritäten haben sich verschoben

Da mein Arbeitsplatz nicht mehr mein zweites Zuhause ist, kümmere ich mich mehr um mein echtes Heim: Hausarbeit und Ordnunghalten geht mir zur Zeit viel leichter von der Hand als früher. In Freistunden gehe ich heim und trinke in Ruhe einen Kaffee und nach dem Unterricht gehe ich so schnell wie möglich nach Hause. Vor zehn Jahren habe ich mich oft noch zum Quatschen oder Runterkommen in der Schule rumgedrückt, weil ich keinen Bock auf das Kindergeschrei, den Renovierkrach und den schlecht gelaunten Ehemann daheim hatte.

Jetzt ist meine Wohnung meine Oase und in der Schule ist Baulärm. Auch macht mir der Lärm der Schüler und der seit Corona drastisch erhöhte und nicht wieder gesenkte Stresspegel zunehmend zu schaffen. Wie oft habe ich mich letztes Schuljahr nach einem erneuten Lockdown mit Home Schooling gesehnt…

Hört auf eure Körpersignale! 🤯

Oft betreiben wir ja Raubbau an unserem Körper und er wehrt sich verzweifelt und versucht und zu zeigen, dass wir langsamer machen sollen.

Typische Signale sind Ohrensausen, Kopfweh, Augenzucken Herzrasen, Magenschmerzen, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit.

Bei mir sind es gerade Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich und ein leichtes Zucken am linken Auge.

Ich versuche dem mit Erhöhung der Pausen und Auszeiten, Verschiebung von Terminen, Spaziergängen und Yoga zu begegnen. Außerdem nehme ich mir, wie bereits geschrieben, bewusst Zeit, die Vorweihnachtszeit zu zelebrieren: mit Weihnachtsdeko, Plätzchenbacken und Weihnachtskomödien.

Das alles mildert zwar die Symptome, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen oder ändern, dass um mich herum alle schwer gestresst sind und dass die Terminfülle und der allgemeine Druck, dem auch ich und meine Kinder ausgeliefert sind, immer mehr zunimmt.

Noch 25 Tage 🎄🎁

… bis Heiligabend. Halte hier die Adventsstimmung hoch mit Kerzen, Plätzchen und Weihnachtsfilmen auf Netflix.

Am Wochenende dichte ich mit den Kindern die Elfchen für die an die Großeltern und Patchworkteile der Familie zu verschenkenden Kalender: Jeder hat drei Monate, für die er ein passendes Elfchen dichten muss.

Immer sehr lustig, weil die so viel über uns verraten: von romantisch über zynisch bis depressiv – alles vertreten.

Auf Distanz halten 📿💄

… kann man sich unerwünschte Kommentare und respektlose Mitmenschen auf vielerlei Wegen.

Momentan mache ich das durch ein betont elegantes Äußeres, das Schülern, Kollegen und Vorgesetzten signalisiert: Ihr mögt im Stress sein, aber mich behandelt ihr bitte trotzdem wie eine Lady!

Funktioniert ganz gut bisher.

Then versus now – ein Rückblick

Schauen wir mal zurück, wie meine Situation vor zehn Jahren aussah.

Vor zehn Jahren war mein Arbeitsplatz meine Heimat, meine Kolleg:innen meine Familie, mein Schulleiter wie mein Papa.

Mein Zuhause war ein Ort mit zwei kleinen Kindern, einem süßem Kindergartenkind und einem Grundschulkind. Damals war null abzusehen, dass aus dem Schule hassenden Jungen mal ein Einserschüler werden würde und aus dem lebensfrohen Kleinkind ein depressives Schulkind. Mein Exmann und ich arbeiteten beide Teilzeit und teilten uns theoretisch Haushalt und Kindererziehung. Allerdings brachten wir es nicht auf eine gemeinsame Familienunternehmung in zehn Jahren. Mein Ex fand sowas überflüssig. Auch sonst war er nicht gerade ein Verbreiter von Heiterkeit und Lebensfreude.

Heute ist mein Arbeitsplatz ein Ort, an dem ich meinen Beruf ausübe. Aber familiär ist es nicht mehr. Anderes Team, andere Atmosphäre, andere Philosophie.

Dafür habe ich jetzt einen Partner, mit dem ich zwar eine Fernbeziehung führe, mit dem ich aber sehr glücklich bin. Wir unternehmen viel gemeinsam und ich bin immer noch sehr verliebt. Ich lebe mit meiner Tochter, der es leider nicht so gut geht, in einer wundervollen Altbauwohnung. Trotz allem sind wir ein gutes Team. Und mein Sohn ist oft da und wir verstehen uns super.

Insgesamt ne ganz gute Bilanz, auch wenn es im Job und mit meiner Tochter weiß Gott geschmeidiger laufen könnte.

Es klingt vielleicht lächerlich

…, aber Plätzchenbacken ist für mich gelebte Selbstwirksamkeit. Ein Weg, mich selbst aus dem Trübsinn und Stress, der an mir zieht, rauszuholen.

Ich kreiere etwas und habe danach ein Produkt, an dem ich Freude habe und andere auch. Das heißt mein Leben wird dadurch ein bisschen besser. 🤗