Um für mich ein paar Dinge klarzukriegen ↖️⬆️↗️

… schreibe ich zur Zeit in einer extra Whatsapp Rubrik Botschaften an mich selbst und an andere (ohne sie abzuschicken), befrage zur Anregung meiner Denkprozesse die Tarotkarten und mache Notizen in meinem Tagebuch.

Ich will mir über ein paar Dinge klarwerden, um einen Weg zu finden, wie ich mit manchen herausfordernden Situationen nach dem Quarantäneende souverän umgehen kann.

Und ich will ein paar Situationen schon innerlich vorwegnehmen, um darauf klug und ruhig reagieren zu können. Meine Impulsivität ist nämlich leider meine größte Schwäche.

Der Zahn der Zeit

Irgendwann die letzten zwei Jahre hat es angefangen. Im Sommerurlaub 2018 habe ich es zum ersten Mal gemerkt: Man sieht sie jetzt – die Zeichen der Zeit. Seltsam verwittert sehe ich oft aus. Um die Augen rum und besonders am Hals und am Dekolletee.

Ich weiß, das sind nur Äußerlichkeiten, aber ich muss mich irgendwie erst daran gewöhnen.

Vor allem tut es mir leid, dass ich ausgerechnet jetzt, wo ich die Liebe meines Lebens getroffen habe (ein zudem wirklich gutaussehender Mann), nicht mehr so frisch wie früher aussehe, sondern oft wie eine leicht verwelkte Anna Magnani.

Ich denke sehr viel nach zur Zeit…

… über das, was war, was ist und was wohl wird in meinem Leben.

Ich habe mir das nicht bewusst ausgesucht, dass die letzten Jahre so bewegt waren. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass meine ursprünglichen Kräfte seit der Trennung von meinem Exmann wieder voll da sind.

Und dadurch, dass ich jetzt niemand mehr bin, der sich nur totstellt und erduldet, geraten natürlich auch andere Bereiche meines Lebens in Bewegung. Trete ich mehr in Erscheinung, positioniere ich mich, ecke an. Habe Energie, für meine Werte einzutreten.

Auch wird mir langsam klar, dass ich manche Bereiche in meinem Leben – zum Beispiel meinen Job oder Freundschaften – verklärt hatte, weil ich einen Kontrapunkt, eine Fluchtmöglchkeit brauchte, um mich von meiner Ehe zu erholen.

Jetzt sehe ich vieles viel differenzierter und klarer. Was manchmal etwas wehtut. Dafür bin ich aber auch unabhängiger und freier. Und klarer und mutiger.

Man gewöhnt sich an alles…

Ich erschrecke mich manchmal, wie schnell ich, die Medien, „die Leute“ sich schon an den Ausnahmezustand gewöhnt haben.

Ich weiß, dass unsere Spezies so adaptiv konstruiert ist, hat ihr das Überleben gesichert. Aber ich kann als Politologin und Historikerin nicht ignorieren, dass genau das auch die Funktionsweise von Dikaturen und autoritären Staaten sichert.

Auf der Welle der Veränderung🌊

… surfe ich seit ein paar Jahren. Manchmal werde ich dabei von einer Welle unter Wasser gezogen, manchmal kann ich mich gerade so auf dem Brett halten und manchmal bin ich im Flow und stehe mit ausgebreiteten Armen auf dem Brett.

Auf jeden Fall bewegt sich seit fünf Jahren ganz viel in meinem Leben und zwar in allen Bereichen. Mir gefällt das.